Programm

Werkleitz Festival 2018 Holen und Bringen Performances
Von Kraftwerks Autobahn über Holly Herndons Platform bis hin zu M. I. A.s Borders, immer wieder beschäftigen sich Musikerinnen und Musiker mit Phänomenen der Logistik, angefangen bei der Infrastruktur bis hin zur Migration. Doch die uns allgegenwärtigen Waren-, Informations- und Menschenströme sind viel mehr als bloß der Gegenstand musikalischer Auseinandersetzung.Sie machen Musikerinnen und Musiker zu personifizierten Logistikzentren, zu Steuerern, „Fracht“ und Spediteuren in einem. Insbesondere die unabhängigen unter ihnen sind schon lange nicht einfach nur Urheberinnen und Urheber von Musik, sondern übernehmen auch selbst die Distribution ihrer Produkte. Sie speisen sie direkt in die globalen Warenflüsse ein, verschicken ihre Tonträger persönlich per Post und stellen ihre Files eigenhändig in Onlinevertriebskanäle wie bandcamp, soundcloud oder spotify ein. Sie unterhalten eigene Infrastrukturen, sind in den Betrieb von Labels und Agenturen, Clubs und Konzert Venues, Festivals und Netzwerken involviert. In diesen Zusammenhängen agieren Musikerinnen und Musiker zugleich als Disponenten und werden selbst als „Stückgut“ verschickt. Sie fliegen für ein DJ-Set nach London oder fahren mit dem gemieteten Kleintransporter zum nächsten Gig, sind für ein paar Wochen auf Künstlerresidenz oder treffen mit den anderen Bandmitgliedern irgendwo für Proben zusammen. Denn als performative und ephemere Kunstform basiert Musik auf der Präsenz der Akteurinnen und Akteure zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Liveauftritte sind wesentlicher Bestandteil ihrer Existenz – ganz abgesehen davon, dass sie nach dem Einbruch des Tonträgermarktes zur primären Einkommensquelle geworden sind., Musikerinnen und Musiker sind daher der Inbegriff von Mobilität, nicht zuletzt durch ihre multilokalen Lebensweisen und freiwillige oder unfreiwillige Migration – leben doch viele an mehreren Orten zugleich und meist nicht mehr dort, wo sie geboren wurden. Sie sind dorthin gezogen, wo die Musikszene ihnen Möglichkeiten eröffnet, oder haben wie viele andere Menschen ihre Heimat aus sozialen, ökonomischen und politischen Gründen verlassen. So werden Musikerinnen und Musiker durch ihr nomadisches Dasein selbst sowohl zu Behältnissen als auch zu Transporteuren. Sie tragen nicht nur ihre eigene Musik in die Welt hinaus, sondern bringen auch Klänge von ihren Reisen oder biografischen Stationen mit. Sie kommen mit „fremden“ Musikkulturen in Berührung, nehmen unterwegs Gefundenes in ihre Arbeit auf und gehen Kollaborationen mit Musikschaffenden aus aller Welt ein. Diese finden im digitalen Zeitalter folgerichtig nicht nur im physischen, sondern zunehmend auch im virtuellen Raum statt. Dabei nutzen sie die Werkzeuge der Online-Zusammenarbeit oder integrieren gar die „Eigengeräusche“ der Datenautobahnen in ihren Sound. Im Endergebnis wird Logistik durch die mit ihr einhergehenden Austauschprozesse ihrerseits zum Katalysator für die Entstehung neuer Musik, die – so könnte man sagen – in Form eines „kosmopolitischen Eklektizismus“ Rhythmen und Harmonien aus allen Erdteilen zusammenbringt. Vor allem aber lässt sie „neue Geografien“ entstehen, indem sie einst periphere Musiken in ihre Netzwerke einwebt.
Sa 20.10.
19:00 Grußworte
19:30 Eröffnung der Ausstellung
20:30 Konzert Phatcowlee
Rajan Shrestha ist ein in Kathmandu ansässiger interdisziplinärer Künstler, der hauptsächlich mit Musik arbeitet, Fotografie und Video folgen aber dichtauf. Er ist Bassist und Co-Produzent der Post-Alternative-Band Jindabaad aus Kathmandu, hat Musikethnologie im Fachbereich Musik an der Universität Kathmandu studiert und produziert unter dem Namen Phatcowlee. Außerdem ist er eine Hälfte von Anaasir, einem Gemeinschaftsprojekt mit dem pakistanischen Elektronikmusiker Alien Panda Jury. Shresthas Debütalbum Cinema wurde im Juli letzten Jahres auf Consolidate Records aus Bangalore veröffentlicht.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
22:00 Konzert Andreas Spechtl
Andreas Spechtls (Frontmann der Band Ja, Panik) neues Album Thinking About Tomorrow, And How To Build It ist ein unglaubliches Werk. Es ist persönlich — der Auteur Andreas Spechtl erlaubt tiefe Einblicke in die Seele seines Ichs, das bekanntlich nach Arthur „Je est un autre“ Rimbaud das Ich eines anderen ist. Es ist geschichtsbewusst — der Musiker Andreas Spechtl knüpft emotional zitierend an die kosmische Musik von Can und die Klangskulpturen von Conrad Schnitzler an. Es ist schließlich modern und hybrid — der Beobachter Andreas Spechtl schichtet Klänge und Samples zu einem Stein- oder Klangbruch, der sich über jede kontinuierliche Bassdrum legen lässt und jedes DJ-Set auf diese Weise in ein neues Raum-Zeit-Kontinuum zu katapultieren imstande ist.Denn wir hören: traditionelle persische Perkussions- und Saiteninstrumente, deren Klänge von Andreas Spechtl gesampelt, neu zusammengesetzt und mit zeitgenössischen Beats, Filtern und Effekten bearbeitet wurden. Entstanden sind auf diese Weise räumlich ebenso komplexe wie faszinierendverwirrende Klanggebäude, deren gleichmütiger Rhythmus gleichwohl vertraut erscheint und der Grund dafür ist, dass diese Musik so leicht an Narrationen aus der jüngeren elektronischen Musik anzuknüpfen weiß.Komponiert hat Andreas Spechtl Thinking About Tomorrow, And How To Build It in der 12-Millionen-Metropole Teheran, Hauptstadt des Iran und nach gemeiner westlicher Lesart wahlweise „das Zentrum des Bösen“, „das Herz der Finsternis“ oder „das Reich der Angst“.Max Dax
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
23:30 DJ Set Electric Indigo
Electric Indigo, DJ, Komponistin, Musikerin, spielte in 39 Ländern Europas, Asiens, Nord-und Südamerikas. Ihr Name steht für die intelligente, eigenständige Interpretation von Techno und elektronischer Musik. Ihre herausragenden DJ-Sets sind von klarer Vision, großer Vielfalt und Tiefe gekennzeichnet, die aus einem profunden Verständnis der Musik und der DJ-Kunst resultieren.Als Komponistin und Musikerin kreiert sie Arbeiten für Konzerträume und Clubs sowie gelegentlich für Theaterstücke, Filme und Klanginstallationen. In ihren Kompositionen und Live Performances betont sie die räumlich-zeitliche Positionierung fein ausgearbeiteter Klänge und Strukturen, die häufig aus  Sprachaufnahmen generiert sind. Im März 2018 erschien ihr Debutalbum 5 1 1 5 9 3 auf imbalance computer music.Electric Indigo startete ihre DJ-Karriere 1989 in Wien und lebte von 1993 bis 1996 in Berlin, wo sie im legendären Hard Wax Plattenladen arbeitete. Zu dieser Zeit begann sie auch, selber Musik zu produzieren, erste Veröffentlichungen erschienen 1993. 1998 gründete sie female:pressure, ein internationales Netzwerk für Musikerinnen, DJs und bildende Künstlerinnen im Bereich elektronischer Musik, das 2009 mit einer Anerkennung beim Prix Ars Electronica bedacht wurde.Sie lehrt an Institutionen wie der Akademie der bildenden Künste Wien, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik und bei Ableton. 
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
So 21.10.
12:00 Exkursion Zugbildungsanlage ZBA Halle (Saale)
Im Juli 2018 wurde der Hallenser Güterbahnhof mit seiner neuen Zugbildungsanlage fertiggestellt. Nach Modernisierung und Erweiterung zählt die Anlage zu den modernsten des schienengebundenen Güterverkehrs in Europa. Sie verfügt über eine vollautomatische Steuerung und Bremstechnik der Richtungsgleise. Getrennt und gekuppelt werden die Wagen von Hand. Ziel der Modernisierung ist die Kapazitätssteigerung am Knotenpunkt Halle. Innerhalb einer Stunde werden 120 Wagen neu sortiert, die dann Richtung Berlin oder München und auch Südosteuropa weiterfahren. Während der Führung werden die Entwicklung des Güterbahnhofs und die technischen Abläufe der Zugbildungsanlage erläutert.
DB Museum, Volkmannstraße 39
14:00 Kolloquium 1,2,3 Logistik
Logistik ist heute überall. Doch was genau sind eigentlich die Prinzipien und Operationen der Logistik, und wer sind die Menschen dahinter? Was sind ihre Projekte und Ideen? Welche optimistisch stimmenden Visionen, aber auch welche beunruhigenden Zukunftsvorstellungen verbinden sich damit?Um diesen Fragen nachzuspüren lädt Werkleitz Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in das neue Logistikzentrum der Finsterwalder Transport und Logistik GmbH in Halle ein, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen und die unterschiedlichen Blickwinkel zu einem mehrdimensionalen Gesamtbild zu erweitern. Es soll veranschaulicht und diskutiert werden, was in der Logistik heute schon möglich und was in Zukunft denkbar ist, mit welchen unterschiedlichen Sprachen und Termini die jeweiligen Akteure hantieren und inwieweit das Publikum selbst längst als Konsument, als Empfänger und Besteller eine bewertende Instanz innerhalb logistischer Ketten einnimmt. Das Kolloquium fragt, wohin unsere logistische Gegenwart uns führen könnte. Es schaut auf Machbarkeiten und Eventualitäten, erwägt Chancen und Risiken sowie Wünsche und Ängste. Skeptische Kritiker treffen hier auf überzeugte Befürworter, etablierte Unternehmen auf Neueinsteiger, handfeste Geschäftsmodelle auf gewagte Visionen., Messe und PlenumIm ersten Teil präsentieren Praktiker und Theoretikerinnen der Logistik in drei jeweils 25-minütigen Runden ihre Projekte, Ideen und Arbeitsfelder. Die Besucher und Besucherinnen haben die Möglichkeit, zwischen den Präsentationen hin- und herzugehen und individuelle Verknüpfungen herzustellen. Nach einer kurzen Pause verhandeln im zweiten Teil des Kolloquiums Logistik-Akteure und Besucherinnen und Besucher gemeinsam. In drei moderierten Gesprächsrunden folgen sie den Spuren und Strukturen der Logistik vom Globalen bis zum Individuellen und diskutieren, wie die Logistik die heutige Welt prägt und welche Zukunft daraus folgen könnte.
Finsterwalder Transport und Logistik GmbH, Finsterwalder Transport und Logistik GmbH, Grenzstraße 11
21:00 Filmprogramm We are data
Mit jeder unserer Gesten und Handlungen übertragen wir Informationen. Diese Informationen sind Teil unserer Interaktion mit Menschen, die uns nahe stehen, und mit Institutionen und Vorstellungen, die unsere Gesellschaft ausmachen. Früher fanden diese Prozesse meist zwischen Menschen statt, ganz ohne Vermittlungsinstanz. Nur die wichtigsten Kommunikationsvorgänge wurden aufgezeichnet und in Form von Verträgen, Abkommen, Bildern oder Büchern archiviert. Mit den technologischen Neuerungen des 20. Jahrhunderts, der Erfindung des Internets und dem Aufkommen von „Big Data“ hat sich die Lage drastisch geändert. Wir haben Systeme geschaffen, die nahezu alles, was wir tun, aufzeichnen und archivieren, und virtuelle Welten spiegeln die materielle Welt wider, in der wir leben. Wir haben unseren Lebensraum mit datafizierten Gegenständen gefüllt und sind immer mehr selbst zu Datensätzen geworden. Was wir tun, wie wir uns ausdrücken, all das wird nachgehalten, quantifiziert und kodiert. Das datafizierte Individuum wird kategorisiert und in gewaltigen, von Unternehmen und Regierungen geschaffenen und verwalteten Datenbanken gespeichert. Uns wird gesagt, man wolle „uns verbinden“ und uns bessere Services bieten, aber zugleich will man mit uns Gewinne machen und uns kontrollieren. Wir lassen uns mithilfe von Systemen wie Predictive Analytics und Mikrotargeting kommerzialisieren und manipulieren, und jeden Tag unseres Lebens geben wir eine beispiellose Menge an persönlichen Informationen preis. Aber was geschieht jetzt, da die Funktionsweise dieser Systeme mehr und mehr von künstlicher Intelligenz und Algorithmen bestimmt wird?
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
Di 23.10.
20:00 Exkursion DHL Hub Leipzig
Nach 10-jährigem Bestehen zählt der DHL Hub Leipzig zu den weltweit bedeutendsten und modernsten Umschlagplätzen für Luftfracht. Er ist einer der größten Arbeitgeber der Region bei einer gleichzeitigen Automatisierung aller Prozesse von über 50%. Täglich starten und landen mehr als 60 Flugzeuge, die in kürzester Zeit inspiziert, be- und entladen werden. Tausende von Paketen des digitalen Handels werden nachts über kilometerlange Förderbänder und Rutschen transportiert, von Mensch und Sortieranlagen geordnet und über Luft, Schienen und Straßen weiterverteilt.
Bahnhofsvorplatz, Hans-Dietrich-Genscher-Platz 1
Do 25.10.
14:00 Exkursion Container Terminal Halle (Saale) CTHS & Archäologisches Depot
Die Exkursion zum Hallenser Hafen in Trotha verbindet zeitgenössische und historische Perspektiven auf die Logistik und Warenbewegung. Nachbarschaftlich gelegen werden sowohl das Container Terminal als auch das Depot des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie besucht.Die Nutzung des Hafens, einst Teil der Hanse, erfolgt heute von Land aus durch das Container Terminal Halle (Saale). Als Umschlageterminal ist es auf die Organisation von Logistikketten im kombinierten Verkehr spezialisiert. Container werden von LKWs auf Güterzüge der eigenen Hafenbahn verladen und umgekehrt.Die zweite Etappe widmet sich der Logistik des Wissens und führt durch das Depot des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie. Dort streift sie die Museumsgeschichte und macht sichtbar, dass inzwischen nur noch ein Bruchteil der Bestände ausgestellt, ein Großteil jedoch in Depots verwahrt wird. Die Führung widmet sich den Ordnungssystemen des Depots, der Lagerung, Archivierung und Katalogisierung. Zudem werden einzelne Objekte in den Blick genommen, die im Kontext historischer Handelswege stehen.
Container Terminal Halle (Saale) – CTHS, Am Saalehafen 1
Fr 26.10.
17:00 Führung durch die Ausstellung
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
19:00 Filmprogramm Stückgut zu Containern
„Brüssel, 22 Uhr 48. Die Büros sind leer. Ein Fernschreiber läuft an. Eine Nachricht aus Chicago. Dort arbeitet man noch. Ein Fernschreiben aus Nagasaki. Dort arbeitet man schon wieder.“ In die Bilder von nächtlichen Neonreklamen und Straßenlichtern einer Großstadt ist die Nahaufnahme eines Telexgerätes eingeschnitten, der die fünfstelligen Codes einer elektrischen Mitteilung empfängt, in lesbare Buchstaben rückübersetzt und auf Papier ausdruckt. „Ohne Beamtin, ohne Formular, ohne Boten“, so die männliche Kommentarstimme des Siemens-Films Mit fünf Schritten von 1967 weiter. Lange vor dem Internet ermöglichte die Fernschreibtechnik die direkte Übertragung von Nachrichten, Aufträgen oder Buchungen über weite Distanzen in Sekundenschnelle. Rund um die Uhr, rund um den Globus. Vor dem Hintergrund fortschreitender Digitalisierung und der damit verbundenen Rationalisierung menschlicher Arbeit reflektiert Stückgut zu Containern die Entwicklung von Logistik und Telekommunikation am Beispiel des Seehandels. Das Programm präsentiert neben Mit fünf Schritten die DEFA-Produktionen 18 Knoten bis Hongkong und Die Schwelle, eingerahmt von zwei künstlerisch-dokumentarischen Filmen, die den Wandel des Hamburger Hafens veranschaulichen: Von der harten körperlichen Arbeit an den Kais und in den Schiffsluken Mitte der 1960er Jahre in Der Tag eines unständigen Hafenarbeiters von Leonore Mau und Hubert Fichte zum computergesteuerten Containerumschlagplatz in Olaf Sobczaks Video a. g. v. – t. e. u.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
21:00 Filmprogramm Welt als Takt
Smartphones, Suchmaschinen, Online-Shopping und soziale Netzwerke sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie sehr unsere enge emotionale Beziehung zu den elektronischen Medien die Zeitökonomie von Arbeit und Leben prägt, thematisiert Welt als Takt mit einer Auswahl historischer Industrie- und Dokumentarfilme. Thomas Imbachs Well Done handelt von der computerisierten Büroarbeit in einem großen schweizerischen Finanzdienstleistungsunternehmen, von der seriellen Logik des Systems, die sich in Körper und Sprache der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschreibt.  Das Rechenzentrum gibt das Tempo vor, das es einzuhalten gilt, um den Zusammenbruch zu verhindern. Der Telefunken-Film Sieben Briefe pro Sekunde von 1961 zeigt die Modernisierung des Postwesens anhand einer automatischen Briefsortieranlage. Ein einziger Fehler würde die mit großer Geschwindigkeit betriebene Maschine zum Stillstand bringen.  Eine maschinengleiche Routine menschlicher Tätigkeit porträtiert Jürgen Böttcher in Rangierer. Während die per Fernschreiber eintreffenden Informationen die Arbeitsabläufe im Rangierbahnhof Dresden-Friedrichstadt als Teil eines hochentwickelten Systems erkennbar machen, konterkariert die Bedächtigkeit der Männer das Zeitdiktat moderner Arbeitsorganisation. In Well Done sind es die ironischen Zwischenbemerkungen, Grimassen und Atempausen, die die kafkaeske Vision einer durchdigitalisierten Welt aufbrechen und eine Mensch-Maschine-Beziehung vorführen, die sich nie vollständig planen und verwerten lässt.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
Sa 27.10.
22:00 Audiovisuelle Live Performance Byetone (raster)
Olaf Benders künstlerisches Schaffen begann mit dem zufälligen Fund einer 16mm-Filmausrüstung während der Schulzeit. Er fing an, sowohl mit dem Medium Film als auch mit dem Rohmaterial Film zu experimentieren. Dessen technische Einschränkungen erforderten besondere Methoden: Um geometrische Formen zu erzeugen, kratzte er direkt auf das Filmmaterial – das Ergebnis waren archaische Bewegungsmuster. Infolge dieser Experimente kam er in Kontakt mit der ostdeutschen Untergrundband AG Geige und wurde 1988 deren ständiges Mitglied. Durch seine Arbeit mit der Band kam er schließlich zur Musik. Der Heimcomputer ermöglichte es einem Autodidakten wie ihm, auch ohne musikalische Ausbildung multimedial zu arbeiten.Nach dem Fall der Mauer 1989 begann er eine Tätigkeit im Musikvertrieb. Die dabei gesammelten Erfahrungen brachten ihn auf die Idee, eigene Musik zu veröffentlichen. Zusammen mit Frank Bretschneider und Carsten Nicolai gründete er 1996 das Label Raster-Noton. Eine der ersten Produktionen des Labels war das Projekt Signal, das Olaf Bender zusammen mit Bretschneider und Nicolai bis heute fortführt. Seit Gründung des Labels produziert Olaf Bender unter dem Pseudonym byetone selbst Musik, veröffentlicht aber erst 2008 eine erste Platte bei Raster-Noton. Die Lead Single Plastic Star definiert seinen unverkennbaren Sound, präsentiert eine minimalistische, rhythmusbasierte Musik mit Rock-Attitüde, die ohne große Bearbeitung und Ausschmückung funktioniert; archaisch, rebellisch und voller Energie. Ebenfalls im Jahr 2008 erschien sein erstes Full-Length-Album, das enthusiastisch gefeierte Death of a Typographer, dessen Nachfolger Symeta von 2011 es sogar in etliche Hitlisten zum Album des Jahres schaffte.Im Nachgang seiner eigenen Platten hat byetone auch Remixe für Künstler wie Modeselektor und VCMG sowie Klangarbeiten für Modedesigner wie Rick Owens, Nina Ricci oder NikeLab produziert.Neben seiner Mitgliedschaft in Raster-Notons Supergroup Signal ist er auch Teil des Duos Diamond Version (mit Carsten Nicolai), das eine Reihe von EPs und 2013 ein Full-Length-Album bei Mute Records herausgebracht hat.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
23:00 DJ Set mobilegirl (DISK)
mobilegirl ist gebürtige Münchnerin. Sie lebt und arbeitet als Produzentin und DJ in Berlin. Bekannt ist sie für ihren Eklektizismus in der Musik und darüber hinaus. Dabei schöpft sie ihre Inspirationen u. a. aus ihrem Medieninformatik-Studium und gelegentlichen Jobs im Designbereich. Als DJ liegt ihr Fokus auf tanzbaren Rhythmen, wobei es ihr gelingt, unterschiedliche Genres zu mischen. Ihre DJ-Sets werden deshalb oft als „Collagen“ bezeichnet. 2016 war sie die Künstlerin mit den meisten Boiler-Room-Auftritten, zuletzt im November beim Boiler Room Weekender in Lake Harmony, Pennsylvania. Das Erstaunliche daran war, dass sie damals erst zwei Jahre lang als DJ unterwegs war.Ihr im Herbst 2017 erschienenes Debütalbum Poise war ein Projekt zur Entschleunigung – eine Reaktion auf die Schnelllebigkeit der Musikindustrie, klanglich inspiriert von Rollen- und Abenteuervideospielen. Im Gegensatz zu der unglaublichen Energie ihrer DJ-Sets erzeugt die 6-Track-EP eine äußerst beruhigende und zum Entfliehen einladende Atmosphäre.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
23:50 DJ Set Mila Stern
Mila Stern spielt Musik wie eine Wühlmaus mit wippendem Rave-Stäbchen. Behutsam aber bestimmt schiebt sie uns nach vorne. Kleine Hinterntritte zum Glück, bis wir auf den Zehenspitzen tanzen. Bis wir „Whaaat!?“ schreien möchten. Musikalisch sozialisiert in Jugendzentren und besetzten Häusern, gereift in Tel Aviv und angekommen in den schönsten Clubs des Landes, besorgt Mila es sich gern bei ungefähr 122,4 bpm; mal mit kurzen, mal mit langen Übergängen, am liebsten ein bisschen ausgeschlafen. Aber selbst desolat kann sie souverän überraschen.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
So 28.10.
17:00 Führung durch die Ausstellung
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
Do 1.11.
(Ganztägig) Videorama TEU
Werkleitz, Schleifweg 6
14:00 Kurzführung durch die Ausstellung & Exkursion Star Park & Radial Fulfillment
Der Star Park ist ein Industriepark von 230 Hektar. Verantwortlich für seine Entwicklung und die Ansiedlung neuer Unternehmen ist die stadteigene Halle Saale Investvision. Die ursprüngliche Erschließung der Fläche erfolgte um die Jahrtausendwende mit dem Ziel, den Zuschlag für das später in Leipzig realisierte BMW-Werk zu erhalten. 2002 trat alternativ der Bebauungsplan als Industriegebiet in Kraft. Seither siedelten sich unterschiedliche Unternehmen, vornehmlich aus der Logistikbranche, an. Nach einer Busfahrt durch die logistische Landschaft des Parks führt die Exkursion zu Radial Fulfillment. Bis 2016 war das inzwischen eigenständige Unternehmen Teil des Ebay-Konzerns. Radial bietet die Betreuung der kompletten Bestellabwicklung für Firmen des Onlinehandels an, kurz: alles nach dem “Klick”.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
Fr 2.11.
17:00 Führung durch die Ausstellung
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
18:30 Filmprogramm Return to Sender I
Das Filmprogramm Return to Sender definiert das Feld der Logistik als globale Bewegung, Zirkulation und Transit. Mit dem Fokus auf die jeweiligen Mittel und Voraussetzungen der Zirkulation als Notwendigkeit der Profitgenerierung und Machtausübung besteht die Grundannahme darin, dass Zirkulation keine generische, neutrale Dynamik, sondern Kräftespiel konkreter Akteurinnen und Akteure ist. Wer profitiert von den Lieferketten, die Arbeit, Güter, Infrastruktur miteinander zu (asymmetrischen) Abhängigkeiten verbinden? Wem ist welche Rolle in der Lieferkette zugeschrieben? Wer hat Zugang zu was? Kennst du deinen Platz in der Lieferkette?Selbst angelegt als eine Bewegung durch konkrete (geografische) Orte und verschiedene Logiken der Zirkulation, gehen die gezeigten Arbeiten den vorherrschenden Machtverhältnissen nach. Dabei scannen sie Körper, Muskeln, Mythen, Ressourcen und Technologien, um die Reibungsflächen in diesen Strukturen auszuloten und deren Aufrechterhaltung und Widerstandsfähigkeit herauszufordern. Mit welchen Strategien werden die Lieferketten und die ideologischen Ausrichtungen dahinter am Laufen gehalten? Und an welcher Stelle ist die Zirkulation verletzlich, wo kann sie gestört, manipuliert und gegen sich selbst gerichtet werden?
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
21:00 Filmprogramm Return to Sender II
Das Filmprogramm Return to Sender definiert das Feld der Logistik als globale Bewegung, Zirkulation und Transit. Mit dem Fokus auf die jeweiligen Mittel und Voraussetzungen der Zirkulation als Notwendigkeit der Profitgenerierung und Machtausübung besteht die Grundannahme darin, dass Zirkulation keine generische, neutrale Dynamik, sondern Kräftespiel konkreter Akteurinnen und Akteure ist. Wer profitiert von den Lieferketten, die Arbeit, Güter, Infrastruktur miteinander zu (asymmetrischen) Abhängigkeiten verbinden? Wem ist welche Rolle in der Lieferkette zugeschrieben? Wer hat Zugang zu was? Kennst du deinen Platz in der Lieferkette?Selbst angelegt als eine Bewegung durch konkrete (geografische) Orte und verschiedene Logiken der Zirkulation, gehen die gezeigten Arbeiten den vorherrschenden Machtverhältnissen nach. Dabei scannen sie Körper, Muskeln, Mythen, Ressourcen und Technologien, um die Reibungsflächen in diesen Strukturen auszuloten und deren Aufrechterhaltung und Widerstandsfähigkeit herauszufordern. Mit welchen Strategien werden die Lieferketten und die ideologischen Ausrichtungen dahinter am Laufen gehalten? Und an welcher Stelle ist die Zirkulation verletzlich, wo kann sie gestört, manipuliert und gegen sich selbst gerichtet werden?
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
Sa 3.11.
22:00 Konzert Mary Ocher + Your Government
Nach ihrer 23-Länder-Tour mit The West Against The People und dem Nachfolge-10“-Tape Faust Studio Sessions ist Mary Ocher mit ihren beiden Drummern Your Government für ein paar ausgewählte Termine zurück in Europa.Ocher liefert durchweg leidenschaftliche und kompromisslose Arbeiten ab – roh, besinnlich, in sozialer und kreativer Hinsicht gegen den Strom schwimmend, behandelt sie Themen wie Autorität, Identität und Konflikt. Ihre Arbeiten verzaubern und polarisieren, von traditionellem Folk bis zu rohem Sixties-Garage-Sound, von Ambient mit ätherischem Gesang und abstraktem Synth bis zu experimentellem Pop mit afrikanischen und südafrikanischen Rhythmen.The West Against The People ist auf dem deutschen Label Klangbad erschienen und wurde von Hans Joachim Irmler produziert, dem Krautrockpionier von Faust. Es beinhaltet sowohl Solo-Tracks als auch Stücke mit ihren Drummern Your Government oder den unglaublichen Kultlegenden Die Tödliche Doris und Felix Kubin. Faust Studio Sessions and Other Recordings (10“: Klangbad/DE + Sing A Song Fighter/SWE, tape: Related Records/US) enthält zudem Gemeinschaftsproduktionen mit der Cellistin Julia Kent und Hans Unstern. Ochers vorangegangene Solo-Veröffentlichung wurde von dem kanadischen Psych-Rock&Roll-Guru King Khan produziert.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
23:30 DJ Set Most × Werkleitz Closing
Das saftige Partyformat steht für open-minded elektronische Musik für Herz, Kopf und Gliedmaßen. Zum Abschluss des Werkleitz Festivals serviert Most frisch gekelterten House & Techno. In einem DJ Battle wetteifern je zwei DJs darum, wer die Körper der Nachtschwärmer am besten in rhythmische und exzessive Bewegung versetzen kann.
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a
So 4.11.
17:00 Führung durch die Ausstellung
Festivalzentrum, Kleine Märkerstraße 7a